Freiheit für die Flüsse!

Die Wasserkraftwerke sind wie Tumore, die ganz Anatolien zerfressen. Sie werden gebaut von Regierung und Unternehmen mit Hilfe der Banken, um den Energiehunger der Gesellschaft, ihrer Industrie und pulsierenden Millionenstädte zu stillen. Dieser Hunger kennt kein Ende.

Damit Waren produziert, transportiert und verkauft werden können, versucht man, die Energie der Flüsse, Meere, Winde und Gase zu nutzen – jetzt, wo klar ist, dass das Verbrennen von Erdöl seine Grenzen erreicht und Natur und Mensch teuer zu stehen kommt. Die Wasser-, Solar- und Windkraftwerke sind nicht viel besser: Sie lösen das Problem nicht. Dem Diktat des Wachstums unterstellt, werden alle Ressourcen als Bereicherungspotential, als Energielieferanten oder Materialen aufgefasst und verwertet. Um ewigen Konsum zu ermöglichen, werden die Schätze der Erde rücksichtslos ausgebeutet, ohne daran zu denken, dass ohne sie nichts wäre. Dass ein funktionierendes Flusssystem, also das Kreislaufsystem der Erde, wichtiger ist als eine prosperierende Wirtschaft, sollte jedem klar sein, der Gefühle wie Durst und Hunger kennt.

In der Türkei sind ca. 4000 Wasserkraftwerke in Planung, Bau oder Betrieb. Dies wird unter anderem ermöglicht durch die Arbeit des amtierenden Umweltministers Veysel Eroglu von der Regierungspartei AKP, wahrscheinlich der Welt erster Umweltminister, der alle Flüsse seines Landes verkauft hat. Er behauptet, dass das Wasser durch das Einschließen in von der Quelle bis zur Mündung verlaufenden Rohre zum Antreiben von Turbinen nicht verbraucht, getrunken oder irgendjemandem genommen würde. Die Verträge zwischen den Stromerzeugenden Unternehmen und dem Stromkaufenden Staat laufen auf 49 Jahre.

Beim Bau der Kraftwerke mit all ihren Rohren und Dämmen werden abertausende Bäume abgesägt (und verkauft), Lebensräume ohne Wasser oder unter Wasser gelassen, Flüsse ausgetrocknet, unzählige Lebensarten vernichtet, Wassernutzungsrechte verkauft und – in den Dörfern wird Widerstand geleistet. Der „Türkische Wasserrat“ Türkiye Su Meclisi traf sich zum ersten Mal am 16-17 Januar 2010 in Ikizdere in der Region Rize: Hunderte Menschen aus allen Ecken der Türkei teilten ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Raubmord an der Natur und verfassten das „Wassermanifest“.

Das zweite Treffen des Rates fand am Fluss Alakir in Antalya statt, ohne Strom in einer Jurte, erleuchtet und gewärmt von einem Feuer.

„Wir wissen alle, dass es ohne Wasser kein Leben gibt. Daher ist dieser Kampf für die Natur und die Menschen Anatoliens ein Kampf auf Leben und Tod. Dass das Wasser an private Akteure verkauft wurde, geht nicht nur die Menschen in den abgelegenen Gegenden und den Tälern etwas an, sondern auch alle Menschen in den Städten. Denn egal, wo wir leben, die einzige Quelle für unsere grundlegenden Bedürfnisse ist immer die Natur“, so die Sprecherin des Mobilisierungsarmes, Pervin Coban Savran vom letzten Nomadenstamm Anatoliens, den Sarikeceliler.

Wie man aus den Äußerungen Savrans versteht, ist dies ein Aufstand des Volkes. Es ist der Kampf der Menschen um ihre grundlegendsten Rechte, ihre Freiheit und ihre Werte.

Widerstand in Brasilien

Der menschliche Körper und die Oberfläche des Planeten bestehen zu über drei Vierteln aus Wasser. Wasser ermöglicht Leben; man muss nicht studiert haben, um das zu begreifen. Warum also wollen diese Wasserkraftwerke, die Staaten, die Banken und die Unternehmen das Wasser dem Leben stehlen? Um beweglich zu bleiben, um Mächtiger zu werden, um Herrschen zu können. Und welches Mittel nutzen sie, um all das zu erledigen? Geld. Und was kann man mit Geld kaufen? Energie. Der seine Augen vor Müdigkeit kaum öffnen könnende Mensch muss sich Energie kaufen, um seine Weiterexistenz zu sichern. Da er lange vergessen hat, wie er seine Arbeiten selber verrichten kann, erhält er sich durch einen elektrisch-automatischen Komplex am Leben.
Und was ist Energie? Feuer ist eine Kraft, die durch das Sich-reiben von Elementen entsteht. Strom ist dessen Erscheinungsform auf Elektronenebene. Wir können Strom also als eine Art Feuer betrachten. Alles auszutrocknen, um dadurch Strom verbrauchen zu können, ist wie sich selbst ins Höllenfeuer zu werfen. Wie kann dieses Lebewesen, das in den Betonhöfen der Grundschulen Mobilfunkantennen errichtet und kommenden Generationen keinen Lebensraum lässt, noch behaupten, ein Mensch zu sein? Die Folgen, die das komplette Bedecken des Globus mit elektromagnetischen Feldern hat, sind der heutigen Wissenschaft bekannt. Doch nicht nur die Wissenschaftler, jeder Mensch kann sich dieses Wissen schnell aneignen. Wir schreien es hier in der 2.0 -welt doch alle schon laut herum, diejenigen, die es jetzt nicht mitbekommen, benutzen dieses ganze moderne Zeug wohl sowieso nicht.

Wasser läuft heutzutage durch Rohre

Die meisten Kraftwerke sind sog. “Flusskraftwerke” (im Gegensatz zu “Dammkraftwerken”) – sie schließen das Wasser in ein Rohr ein und keiner, weder Tiere noch Menschen,  kommt an das Wasser ran… es hat nun einen Besitzer, dass sieht man.

Der Wasserraub ist nicht nur ein Problem Anatoliens, alle möglichen in Frage kommenden Gebiete werden diesem Missbrauch ausgeliefert. Vom 16-22 März 2010 führte das World Water Forum in Istanbul seine fünfte Sitzung durch. Es ist eine Plattform für die Kommerzialisierung von Wasser auf internationaler Ebene, auf der sich die treffen, die Wasser verkaufen können, und jene, die es kaufen möchten, voll von Entscheidungsfällern und Experten. Neben vielen internationalen Unternehmen und natürlich der Weltbank kamen auch Staaten wie die Türkei, Japan, Holland und Frankreich, Staaten, die das Recht beugen, um sich mit Energie zu versorgen. Man ist so versessen darauf, alles zu besitzen, dass bestehende Gesetze missachtet oder einfach neue geschaffen werden.

Ein Hoffnungsschimmer scheinen die Regungen einer Reihe lateinamerikanischer Staaten unter Führung von Boliviens Präsident Evo Morales zu sein.
siehe : http://amerika21.de/analyse/17918/klimakrise-und-kapitalismus

Das erste große Verbot unserer Kindheit ist wohl das älteste der Menschheit: Nicht mit Feuer spielen! Es ist nicht nur ein historisches Trauma, sondern auch eine Lektion.

Ist die Zeit gekommen zu begreifen, dass man mit Feuer nicht spielt und Wasser nicht verkauft?

Eliftayfun Alakir

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One Response to Freiheit für die Flüsse!

  1. odissi30 says:

    Vielen Dank für den Kommentar!

    Erdöl wird – da es knapp wird und CO2 hinterläßt verdammt, während Solar-, Wind- und Wasser die neuen Fetische sind. Anstatt die Produktion und Konsumption zu verringern, findet der Mensch lieber neue Ressourcen, um diese auszubeuten. Wind, Wasser und Sonne sind scheinbar unendlich und die saubere Lösung, allerdings wird verkannt, dass zum Beispiel durch Staudämme Kulturland verschwindet, Menschen zur Migration gezwungen werden. Biokraftstoffe führen zu Monokultur, Windkrafträder zestören Landschaftsbild und verursachen Störungen in der Tierwelt.
    Die Die Türkei ist ein wirtschaftlich austrebendes Land und eine poltische Regionalmacht. Wasser ist ein wunderbares Druckmittel, welches genutzt wird, um sowohl international als auch intranational politische Interessen durchzusetzen…

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